Bodo Zinser
Die Ebenen des Bewusstseins
 

Eine kritische Betrachtung von Dr. David R. Hawkins Lebenswerk
und seiner Idee einer Bewusstseinsskala

 


Eine kurze Vorstellung von Dr. Hawkins Lebenswerk

In seinem ersten Buch 'Die Ebenen des Bewusstseins' berichtet der Psychiater Dr. David R. Hawkins (geb. ca. 1927) über seine mehr als 30-jährige Forschungsarbeit, die er mit Hilfe der von ihm weiterentwickelten Kinesiologie auf dem Gebiet der menschlichen Bewusstseinsebenen durchgeführt hat. Im hauptberuflichen Metier arbeitete er in der Orthomolekular-Psychiatrie zusammen mit dem Nobelpreisträger Linus Paulings, und in New York City führte er die größte klinische Praxis mit Dutzenden von Mitarbeitern. In jüngster Zeit (ca. 2004) wurde er geadelt und als Ritter des Johanniterordens aufgenommen und er erhielt in Korea den Ehrentitel "Große Seele und führender Lehrer auf dem Weg zur Erleuchtung".

In sehr jungen Jahren hatte Hawkins ein mystisches Erlebnis, bei dem "sein Bewusstsein mit einem Zustand von Allgegenwart und Erleuchtung verschmolz". Trotz dessen wohl überwältigt durch das Leid der Menschheit, was ihn an Gott zweifeln ließ , wurde er Atheist. Erst in einer großen gesundheitlichen Krise, bei der es um Leben oder Tod ging, wandte er sich an Gott und bat ihn um Hilfe. Unmittelbar darauf fand eine Transformation statt, die ihn sprachlos machte. Seine Person wurde ersetzt durch eine kosmische 'An-Wesenheit' (englisch presence), er und die Welt wurde "erleuchtet von der Klarheit einer unendlichen Einheit ... der Schönheit und Vollkommenheit". Diese Erfahrung und dieser Bewusstseinszustand veränderte auch die Art und Weise seines Umgangs mit den Patienten seiner Klinik: In direkter Schau konnte er in den Personen "die Essenz von Liebe und Schönheit" sehen und er wurde nun deshalb weltweit um Rat und Heilung ersucht, und durch unmittelbare Übertragung von Heilenergie und eingeschränkter Liebe half er unzähligen Patienten auf sichtbarer und unsichtbarer Ebene.

Als Hawkins auf die Kinesiologie stieß, staunte er über das Potential dieser Methode, denn er fand darin ein Instrument nicht nur für körperliche Heilung, sondern auch, um die Verbindung der Menschen zur höheren Wirklichkeit zu testen. Bei der herkömmlichen Kinesiologie wird ein Muskeltest am ausgestreckten Arm benutzt, um durch direkte Befragung des Patienten (Diamond: "Der Körper lügt nicht") Schwachstellen, gesundheitliche Belastungen, Verträglichkeit und Nutzen von Medikamenten und schließlich psychische Blockaden, deren Ursachen auch weit in der Vergangenheit liegen können, herauszufinden und durch auszutestende Gegenmaßnahmen zu behandeln. Hawkins stellte dabei fest, dass er über diese Anwendungen hinaus den Wahrheitsgehalt von beliebigen Aussagen messen und einer Bewusstseinsskala zuordnen konnte.


Die Bewusstseinsskala nach Hawkins

Die Hawkins-Skala, die logarithmisch aufgebaut ist und die er Bewusstseinsskala nennt, reicht in den unteren Stufen von Scham (20), Schuldgefühl (30), Teilnahmslosigkeit (50) bis Trauer (75); in den mittleren Bereichen (in denen sich die meisten Menschen befinden) von Angst (100), Begierde (125), Wut (150) bis Stolz (175); im Bereich der Menschen, die für den zivilisatorischen Fortschritt zuständig sind von Mut (200), Neutralität (250), Bereitwilligkeit (310), Akzeptanz (350), bis zu Vernunft (400) und schließlich in den höchsten Bereichen, die durch das menschliche Bewusstsein ausgedrückt werden können, von Liebe (500), Freude (540), Frieden (600) bis zu Erleuchtung (700-1000).

Doch seine Forschungsarbeit ging und geht weit über diese emotionalen Bewertungen des Bewusstseins hinaus. Er behauptet, dass nicht nur bei Fragen mit persönlicher Betroffenheit (z.B. körperliche oder psychische Gesundheit), sondern auch bei Fragen mit ganz allgemeinem Inhalt wie z.B. "die Firma xy arbeitet mit integren Methoden" oder "der politische Kandidat nn beabsichtigt tatsächlich, seine Wahlversprechen einzuhalten" oder "die Evolutionstheorie ist korrekt" zutreffende Aussagen gemacht werden können, wobei jeweils ein Wahrheitswert größer 200 zugeordnet wird. Und dies sei auch noch unabhängig davon, ob der Tester oder die getestete Person Kenntnisse auf diesem Gebiet haben. Es sei weiter unabhängig von der persönlichen Meinung der Testpersonen und die Skalenwerte würden praktisch hundertprozentig wiederholbar und akkurat sein. Wenn ein Ereignis in der Menschheits-, oder auch nur in der Natur- oder Kosmosgeschichte tatsächlich stattgefunden hat (also keine zukünftigen Ereignisse), dann sei es im kosmischen Wissensspeicher enthalten und somit durch die einfache Befragung mittels Muskeltest abrufbar. Und Hawkins betont weiter, dass seine Zuordnungen in Doppelblindversuchen einwandfrei wiederholbar seien, und somit ein wissenschaftlicher Anspruch seiner Theorie vollkommen gerechtfertigt sei. Das Online-Lexikon Wikipedia merkt hierzu jedoch kritisch an, dass Hawkins durch seinen hohen Bewusstseinsgrad (oder seine bloße Anwesenheit als Autorität) die Genauigkeit und Wiederholbarkeit der Testungen anderer Personen beeinflusst, zumal nur Personen mit Integrität (Skalenwert über 200) testen sollen, bzw. verlässliche Werte erhalten.


Eine Landkarte für höhere Bewusstseinszustände

Im Geleitwort zu Hawkins "Ebenen des Bewusstseins" wird euphorisch vorgeschlagen, man solle sich vorstellen, durch eine leicht zu praktizierende Methode, auf jede Frage eine nachweisbare wahre Antwort zu bekommen. Welche Konsequenzen hätte das im menschlichen Zusammenleben, wenn wir sofort Lüge von Wahrheit unterscheiden könnten? Was geschähe mit politischer und kommerzieller Werbung, wenn deren Gehalt leicht nachprüfbar ist? Wie sehr würden industrielle, wissenschaftliche und medizinische Testreihen vereinfacht werden können? Thomas Edison hätte keine tausend Versuche gebraucht, um das richtige Material für seinen elektrischen Glühfaden zu finden. Würden destruktive Unterhaltung bei Musik, Film und Fernsehen verschwinden, wenn deren negativer Einfluss offensichtlich würde? Wie würde sich das Bewusstsein der Menschheit verändern, wenn diese Möglichkeiten zum Wohle aller genutzt werden? Welchen Evolutionssprung würde die Menschheit machen, wenn spirituelle Scharlatane leicht und eindeutig von wirklichen Weisheitslehrern zu unterscheiden sind?

Wie man anhand dieser Fragen, die nach Hawkins alle im positiven Sinn zu beantworten sind, sehen kann, wären nicht nur die gesellschaftlichen Auswirkungen auf allen Ebenen immens: "Die Welt, die wir kennen, würde unwiderruflich verändert, bis in ihre Wurzeln hinein". Es wäre auch möglich, ein gesichertes System für spirituelles Wachstum bis hin zur greifbaren Erleuchtung aufzubauen, denn nicht nur in seinem Anfangswerk "Die Ebenen des Bewusstseins" gibt der Autor einen Ausblick auf die religiös-spirituellen Möglichkeiten, sondern er stellt noch viel ausführlicher in den Nachfolgewerken "Das All-sehende Auge" und "I Reality and Subjectivity" dem Leser seine Erkenntnisse über die nichtlineare Realität und die Erleuchtung dar und beschreibt die Landkarte "für den spirituellen Pfad bis zum Verständnis der Natur des Bewusstseins". Was will man mehr? Bietet sich hier dem durch massenhafte und undurchsichtige Angebote verwirrten spirituellen Sucher nicht endlich die Möglichkeit der höchsten Erkenntnis, der Erlösung? Diese Frage ist es wert, gründlich untersucht zu werden, und das soll hier im weiteren Verlauf geschehen.

Auf einen einfachen Nenner gebracht, stützen sich die vorgetragenen Behauptungen ob man sie zu Tatsachen erheben darf, soll diese Untersuchung ja erst zeigen auf drei Pfeiler: Hawkins Person als Erleuchteter, dessen Aussagen dann ebenso wohlwollend behandelt werden müssen wie z.B. die Zen-Lehren von Huang Po oder die Dao-Philosophie von Laotse, die Validität der Kinesiologie unter Berücksichtigung des vorgeschlagenen, erweiterten Nutzungsfeldes und schließlich die vermutete maßstabsgetreue Abbildung menschlichen Bewusstseins durch die Hawkins-Skala.


Ein erschwerter Zugang für den geneigten Leser

Wenn man ohne besondere Vorkenntnis vom Inhalt beginnt, das erste Buch zu lesen, dann wird ein flüssiges Lesen sehr erschwert nicht weil der Inhalt per se unverständlich und neu ist, sondern weil Hawkins in immer weiteren Bahnen langsam um sein Thema kreist, zwei Schritte hin, zwei Schritte wieder weg der großartige Anspruch des Autors wird vermittelt, aber die immer wieder neuen Anläufe zum Kern seiner Aussagen durchzustehen, macht dagegen wenig Spaß. Und man mag es kritisch sehen oder positiv, weil man das Thema mag es gibt zur Zeit drei weitere dicke Werke von ihm (bislang sind insgesamt nur zwei ins Deutsche übersetzt), und zwei weitere sollen in der Pipeline sein. Bei der Übersetzung des ersten Buches fragt man sich an manchen Stellen, ob hier die richtige Wortwahl getroffen wurde, und manchmal keimt der Verdacht eines schwerwiegenden Irrtums. Meinen ersten Leseversuch hatte ich vor zwei Jahren mit dem Gefühl "irgendwie interessant, aber langatmig" aufgegeben. Wie ich jetzt weiß, bin ich auch nicht der Einzige, dem es so ging. Doch nach einem Seminar, wo es u.a. um Hawkins Bewusstseinsansätze ging, machte ich einen zweiten Anlauf. Wie wohltuend war es dann, zuerst Hawkins selbstverfasste Biographie zu lesen. Doch die steht leider am Ende des Buches. Also meine eindeutige Empfehlung an neugierige Leser: Nehmen Sie sich zuerst diesen Teil des Buchs vor das gibt genügend Durchhaltvermögen für den Rest.


Hawkins ein erleuchteter Mensch?

Wenn ich die mystischen Erlebnisse des jungen David lese, wenn ich seinen weiteren Weg zu einer Koryphäe der Psychiatrie mit verfolge, wenn ich dann seinen Erleuchtungserlebnissen lausche, die sein ganzes Leben umgekrempelt haben, und ich nachempfinden kann, welchen Auftrieb er durch seine kinesiologischen Testmethoden für seinen Wunsch, das "Leid der Menschheit zu lindern", gewonnen hat , dann kommt mir das alles sehr glaubwürdig vor. Hier spricht meines Erachtens tatsächlich jemand, der die geschilderte höheren Bewusstseinszustände nicht nur vom Hörensagen kennt, sondern auch direkt erlebt hat. Die Übereinstimmung mit anderen geistigen, spirituellen und mystischen Lehren ist sehr groß. Und nicht nur das: Er kann glaubhaft darstellen, dass eine Wahrheit sich auf verschiedenen Stufen des Bewusstseins unterschiedlich präsentiert. Es wäre verkehrt, hier und anderswo nur die Widersprüche in den Darstellungen zu sehen und nicht zu berücksichtigen, dass die Menschen von ihrer Ebene des Bewusstseins aus wahrnehmen und handeln. Buddha soll einmal nach seiner morgendlichen Predigt von einem Teilnehmer gefragt worden sein, ob es Gott gebe und er bejahte das. Am Mittag des gleichen Tages kam ein anderer Besucher mit dieser Frage und erhielt eine verneinende Antwort, und schließlich abends wurde dem nächsten Fragenden gesagt, das müsse er selbst herausfinden. Buddhas ständige Begleiter wollten sich mit diesen Antworten nicht abfinden und fragten den Meister: "Herr, wir verstehen das nicht. Wie kannst du auf ein und die selbe Situation drei unterschiedliche Antworten geben?" Buddha antwortete: "Nur die Frage war die selbe, aber die Situation war nicht wirklich gleich. Jedes Mal hat ein anderer Mensch gefragt."

Wir Normalsterblichen möchten natürlich eindeutige Antworten auf unsere Fragen bekommen, doch die wenigsten Erleuchteten bieten sie uns, und wenn doch, dann sind sie wohl gerade deshalb nicht vollständig. Für mich persönlich ist die Darstellung seiner philosophisch-spiritueller Überlegungen und Erfahrungen glaubhaft und soweit mein Erfahrungshorizont reicht nachvollziehbar. Doch ich denke, dass hier jeder Leser selbst schauen muss, inwieweit ihn Hawkins als Mystiker oder als Erleuchteter selbst anspricht. Wenn eine solche Untersuchung positiv ausfällt, dann muss man seinen direkten Darstellungen ebenso viel Glaubwürdigkeit einräumen wie man dies bei anderen Weisheitslehrern tut. Heißt das nun zwangsläufig, dass alles, was er schreibt, wahr ist? Ich glaube nicht. Wahrhaftig sollte ein Erleuchteter sein, wahr müssen seine Aussagen höchstens im Kontext sein und vielleicht darf er sich auch irren?!

Leider ist die geschilderte Darstellung seiner Person nur 'cum grano salis' möglich. Wer sich nicht nur auf geschriebene Informationen verlassen, sondern auch gern einen visuellen Eindruck haben möchte, hat es bei Dr. David R. Hawkins, den seine Anhänger in freundlich-vertrauter Weise einfach nur 'Doc' nennen, schwer. In keinem seiner Bücher ist bislang ein Bild von ihm zu finden. Bescheidenheit? Jedenfalls muss man erst auf die wenig informative offizielle Website seines Verlages (www.veritaspub.com) ausweichen. Hier blinzelte ich erst mal erstaunt: Ist das der strahlende, charismatische Meister? Oh, den hätte ich mir anders vorgestellt. Bald danach habe ich mir auch Videos von seinen Vorträgen in Sedona, Arizona, besorgt. Vorsicht, diese sind nur im amerikanischen NTSC-Format erhältlich, was nur wenige Videoapparate und Fernseher abspielen können, und der Doc spricht sehr undeutlich. Also so sieht er aus ein hutzeliges, gebrechliches, von Narben und Furchen gezeichnetes Männlein mit skurrilem Humor seltsam! Oh, wie ich hörte soll er auch noch Raucher sein. Geht denn das zusammen? Immerhin gibt es Personen, denen man die Erleuchtung nachsagt, welche aber meinen, ein Erleuchteter würde nicht rauchen. Oder wird mir hier mein Vorurteil gegenüber Rauchen vor die Nase geführt? Also lieber vorsichtig sein und schon mal vorab um Verzeihung bitten für diese uneinsichtige Darstellung.

Hawkins Meinung von sich selbst ist meines Erachtens keineswegs von Bescheidenheit gezeichnet. Sein Anspruch der hundertprozentigen Wahrheit in Bezug auf seine erweiterte Muskeltestmethode und die daraus resultierende Bewusstseinsskala zeigt sich auch in der Eigeneinschätzung seines Buches. In der englischen Ausgabe habe es einen Wahrheitsgehalt von 850 (in der deutschen 'nur' von 750) nicht gerade wenig, wenn man bedenkt, dass Laotses Lehren nur auf 610 Punkte kommen. Das zweite Buch von Hawkins, welches erfreulicherweise kongenial übersetzt wurde, liegt bei 980 und schließlich das dritte bei 999,8. Man berücksichtige hierbei, dass mehr als 1000 Punkte menschenunmöglich sind, und nur Krishna, Buddha und Jesus diese Grenze erreichten. Dass solche Zahlengrößen ab 600 gigantische Werte darstellen, werden wir noch weiter unten betrachten. Nach Hawkins würde auch schon durch das Lesen des Buches der Bewusstseinswert um 35 Punkte gesteigert werden, wozu ein Mensch sonst und normalerweise einige Leben bräuchte. Dass er dies mehrfach im Buch selbst nennt, ist ein seltsamer Fall von Selbstbezüglichkeit, denn das Buch ist, wenn das Kapitel schreibt, ja erst am Entstehen.

Hawkins vermeidet es geschickterweise, seine eigene Position auf der Skala bekannt zu geben, doch an einer Stelle im Buch schildert er Erfahrungen, die im Bereich über 700 liegen (S. 87), und nennt dann im Anhang als Kronzeugen "persönliche Erfahrungen des Autors". Nach Hawkins soll es (Stand kurz vor der Jahrtausendwende) 12 lebende Mystiker geben, deren Werte auf 700 und höher liegen, davon einer mit einem Wert von nahezu 1000. Ihm nahestehende Anhänger kalibrieren seinen Wert (also der Vorgang der zweifelsfreien, kinesiologisch getesteten Zuordnung eines Ereignisses oder einer Person auf der Skala) auf 980. Das sehe ich problematisch an, was aber auch mit der Einordnung der Bewusstseinsskala an sich zu tun haben mag. Wenn ich hier frei meine Meinung äußern soll, dann erscheinen mir diese Werte unglaubhaft, in Bezug auf ihn selbst und in Bezug auf seine Bücher. Ein deutscher Seminarleiter, der Hawkins persönlich kennt und schätzt, und über das Thema Bewusstsein Seminare veranstaltet, meinte zu mir, das würde er nicht so ernst nehmen, die Messungen seien einfach ein Hobby von ihm. Für mich sieht es bei diesem legeren Umgang mit Werten so aus, dass der "Mystiker aus Arizona" doch nicht in der ersten Liga der Erleuchteten spielt.


Kinesiologische Testmethoden nach Hawkins

Kommen wir nun zu der Kinesiologie und den speziell durch Hawkins verwendeten Testmethoden. Die Kinesiologie ist eine Richtung der alternativen Medizin und als solche wissenschaftlich nicht anerkannt. Die hierbei verwendeten Testmethoden werden deshalb als nicht wissenschaftlich angesehen, weil sie einen stark subjektiven Charakter haben. Im aktuellen zwanzigbändigen Lexikon der Zeit wird der Begriff Kinesiologie noch nicht einmal mit einem Eintrag gewürdigt. Wenn nun hier nicht nur Aussagen gesundheitlicher und psychischer Art getroffen werden welche ohne viel esoterisches Wohlwollen noch naturwissenschaftlich erklärt werden könnten , sondern eben auch Bereiche angesprochen werden, die über schulwissenschaftliche Erklärungen hinausgehen und Konzepte wie die Morphogenetischen Felder und den Kosmischen Wissensspeicher von Rupert Sheldrake, David Bohms Theorie vom Holographischen Universum oder philosophisch-religiöse Begriffe wie Karma, Reinkarnation, Erleuchtung und 'Intelligent Design' benötigen, dann macht hier die Wissenschaft nicht mit. Zumal bislang, d.h. vor Hawkins Zeit, verlässlich reproduzierbare Versuchsreihen, die einen paranormalen Inhalt haben, mit statistisch untermauerten Anspruch und unter Ausschluss subjektiver Beeinflussung nicht berichtet worden sind.

Hier setzt sich Hawkins mit dem Bericht seiner Versuchsreihen meilenweit ab, wenn er zum Beispiel folgendes behauptet (S. 52): "Auf einer Versuchsreihe des Autors wurden unter tausend Anwesenden fünfhundert Umschläge verteilt, die künstlichen Süßstoff enthielten, und fünfhundert identische Umschläge mit natürlichem Vitamin C. Die Anwesenden wurden in zwei Gruppen eingeteilt und sollten einander abwechselnd testen. Wenn das Publikum beim Öffnen der Umschläge erkannte, dass alle auf den Süßstoff schwach und auf das Vitamin C stark reagiert hatten, waren das Erstaunen und die Begeisterung immer sehr groß." Hawkins sagt hier, alle hätten korrekt getestet, und betont dieses Wort sogar. An dem Begriff 'alle' lässt sich nicht deuteln. Die Unwahrscheinlichkeit eines solchen Ergebnisses (vorausgesetzt die Umstände waren so, dass man nicht durch aufmerksame Beobachtung den Inhalt der Umschläge bestimmen konnte) ist so riesig, dass sie jeden Naturwissenschaftler überzeugen muss. Auch in Blind- und Doppelblindversuchen seien diese Ergebnisse (antürlich auch in Bezug auf spirituelle Inhalte) immer wieder bestätigt worden, und das auch schließlich unabhängig davon, ob Tester oder Testperson die Fragestellung oder deren korrekte Beantwortung kannten. Eine solche reproduzierbare Beobachtung müsste zwangsläufig eine Erschütterung im naturwissenschaftlichen Denkgebäude auslösen, die meines Erachtens zu einem ebenso aufrüttelnden Paradigmenwechsel führen würde wie beispielsweise die Kopernikanische Revolution. Warum hat man einer solchen Erschütterung noch nichts gehört?

Die genaue Schilderung der wissenschaftlichen Versuchsreihen fehlt allerdings im Buch. Obwohl er an einige Stellen immer wieder von der hundertprozentigen Verlässlichkeit der Versuche und Testungen spricht, lässt er andernorts durchblicken, dass ein besonderes Auswahlverfahren für die Testergebnisse vorgenommen wird. Wenn eine Testperson immer wieder schwach, bzw. falsch testet, muss untersucht werden, ob diese Person überhaupt einen Integritätswert von 200 erreicht, sonst ist sie nicht zu gebrauchen. Der Wert 200 ist für Hawkins eine enorm wichtige Schwelle, weil hier die Person erstmalig den Mut aufbringt, treu zu sich selbst zu sein, "auf dieser Stufe geben die Menschen der Welt so viel Energie zurück wie sie nehmen". Wenn die Person auch nach der Messung ihrer Integrität immer noch schwach testet, könnte es sein, dass sie zuvor negativen 'Attraktorfeldern' (ein wichtiger Begriff von Hawkins, der ähnlich zu sehen ist wie Sheldrakes Morphogenetische Felder) ausgesetzt war. Wenn auch das ausgeräumt ist und die gewünschten Ergebnisse sich nicht einstellen, dann solle man auf Ablenkungen wie Metallgegenstände, Quarzuhren, Parfüm, Stimme des Testers oder den räumlichen Hintergrund achten oder gar darauf, ob eine Person falsch 'gepolt' ist. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass damit Manipulationen nicht ausgeschlossen sind, welche das Ergebnis total, aber im Sinne von Hawkins verfälschen.

Auf einschlägigen Internetseiten wird außerdem von den Problemen berichtet, die Ergebniswerte vom 'Doc' außerhalb seiner direkten Einflusssphäre nachzuvollziehen. Die Werte weichen einfach deutlich ab. In einer eigenen Versuchsreihe, die ich unternommen habe, wobei ich ausdrücklich Fragen heranzog, deren Hawkins'sche Beantwortung ich nicht wusste, ergaben sich zwar viele, relativ gute Übereinstimmungen (Abweichungen nicht größer als 20), aber auch eklatante Dissonanzen von 200 und mehr. Und noch nicht einmal Abweichungen von 5 Punkten sollte es geben, denn manche Werte bestimmt der Meister ja auf die erste Dezimalstelle. Auf einem Videoband kann man beobachten, wie er im Vortrag unsicher ist, welchen Bewusstseinswert Sokrates hat. Zur Klärung dieser Frage testet er gleich an Ort und Stelle und kommt auf einen Wert von 550. Im vierten Buch wird jedoch als Wert 540 angegeben. Kein großer Unterschied könnte man meinen. Gemessen an seinem Anspruch ist der Unterschied aber deutlich. Und was kann man aus all dem schließen? Wenn ich es vorsichtig ausdrücken will, dann, dass der Nachweis der uneingeschränkten Validität seiner kinesiologischen Testmethoden für mich nicht geliefert wurde.


Die neue Bewusstseinsskala nach Hawkins

Der Kern von Hawkins Philosophie ist seine Bewusstseinsskala. Wie sieht denn dieses Konzept bei genauerem Hinsehen aus? Einmal muss man vermerken, dass eine solche Skala nicht grundsätzlich neu ist. Viele Psychologen und Psychiater stellten in ihren Behandlungen fest, dass sich die Emotionen ihrer Patienten in festen Regeln verändern, d.h. dass sie allgemein bei der Bewältigung ihrer Probleme in bestimmten Stufen ihrer Emotionen voranschreiten. Jemand springt in der Regel nicht von Scham- und Schuldgefühlen (20-30) auf Wut (150) und dann wieder auf Trauer (75), um dann als nächsten Schritt bei Vernunft (400) zu landen. Auch ist nicht neu, dass diesen Stufen Werte zugeordnet werden. Die Scientology kennt beispielsweise eine Emotionsskala, die im normalen menschlichen Bereich in fast gleicher Reihenfolge wie bei Hawkins von Apathie (0.0) bis Begeisterung (4.0) aufgebaut ist. Die Scientologen behaupten, dass sich diese Werte bei ihren Hautwiderstandsmessungen bei voranschreitender Auflösung psychischer Probleme ergeben. Ich möchte hierbei betonen, dass eine solche Ähnlichkeit mit L.Ron Hubbard nicht automatisch die Bewusstseinsskala von Dr. Hawkins abwertet (aber deswegen nicht auch zwingend macht).

Die Werte der Bewusstseinsskala von Hawkins sollen nicht einfach nur einen Richtungsstrahl für eine höhere Entwicklung darstellen, sondern beschreiben seiner Darstellung nach eine genaue inhärente Kraft (englisch Power) der verschiedenen Ebenen. Hierbei ist ein Wert von 300 (was in etwa der Bereitwilligkeit entspricht) nicht schlichtweg zweimal so stark wie ein Wert von 150 (Wut), sondern die Skala sei logarithmisch aufgebaut. Also eigentlich liegt der eine Wert bei 10300 und der andere bei 10150. Die erste Zahl hat 300 Nullen, die zweite nur 150. Mir scheint, Hawkins hat kein richtiges Verständnis dieser Zahlenwerte. In der deutschen Angabe wird sogar 10300 mit 30010 (eine Zahl mit nur 25 Stellen) verwechselt. Das ist eklatanter als würde man eine Nussschale mit einem Flugzeugträger verwechseln. In ähnlicher Weise gibt er an, dass ein Mensch mit einem Bewusstseinsgrad 300 durchaus fast 100.000 Menschen unter 200 aufwiegt, und ein Mensch mit Bewusstseinsgrad 600 sogar 10 Millionen Menschen unter 200. Damit will er ausdrücken, dass die Negativität von 10 Millionen Menschen durch einen einzigen Erleuchteten kompensiert wird. Auch diese Idee können wir andernorts (z.B. bei Maharishis TM-Bewegung oder dem Diksha-Prozess von Kalka-Bhagawan) wiederfinden, wenn auch nicht in diesem Zahlenverhältnis. Bei Hawkins geht es aber um genaue Zahlen, wobei die austarierten Werte von Negativität zu Positivität welche auch noch in sich seltsam sprunghaft sind nicht die Verhältnisse der logarithmischen Bewusstseinsskala wiedergeben.


Schwindelerregende Messgenauigkeiten

Für jemanden, der nicht gewohnt ist, mit mathematisch großen Zahlen umzugehen, scheinen die genannten Unterschiede gering zu sein. Eine Million scheint nicht viel mehr als eine Milliarde zu sein, aber normalerweise lebt der Mensch nicht nur 12 Tage (= eine Million Sekunden), sondern mehr als 30 Jahre (= eine Milliarde Sekunden). Und Hawkins weist an vielen Stellen auf die größere Mächtigkeit der höheren Werte im Sinn einer logarithmischen Skala hin (und versteht das nicht nur als reine Metapher), deshalb sollte man ihn in diesem Punkt ernst nehmen. Also wäre die Kraft der Bereitwilligkeit (genauer Wert 310) 10210 mal stärker als die der Wut. Dieses Zahlenverhältnis ist ungeheuerlich! Bedenken wir doch, dass es in unserem bekannten Universum mit seinen Milliarden Lichtjahren an Ausdehnung 'nur' ca. 1082 Elementarteilchen gibt ein verschwindend kleiner Bruchteil des oben berechneten Faktors. Noch verrückter wird es, wenn Hawkins die Energie menschlichen Denkens in Mikrowatt misst (S. 253). Ein Angstgedanke hätte dabei etwa 10(-750 Millionen) Mikrowatt. Man beachte, dass hierbei der Exponent eine Größe von 750 Millionen hat, d.h. ein solcher Gedanke wäre 0,000 000 000 ... (750 Millionen Nullen) ... 001 Mikrowatt stark. Das sind Messgenauigkeiten, von denen unsere Wissenschaft noch nicht einmal zu träumen wagt, denn sie sind schlichtweg Blödsinn.

Wie gesagt: Man müsste natürlich solche Überlegungen als Spielerei abtun, würde nicht Hawkins selbst auf diesen Zahlen immer wieder herumreiten. Im vierten Band (Truth versus Falsehood) gibt er seitenweise Tabellen heraus, in denen die genauen Werte von Personen, Ereignissen oder spirituellen Methoden aufgeführt sind. Für mich bedeuten diese Ungereimtheiten, dass wir die Werte der Hawkins-Bewusstseinsskala doch eher als Metapher verstehen müssen, oder dass allenfalls die Austarierung von positiven und negativen Einflüssen zahlenmäßig zu fassen ist. Ich finde, das ist aus zwei Gründen nicht ganz unwichtig. Einmal will Hawkins festgestellt haben, dass die Menschheit insgesamt etwa im zweiten Halbjahr 1987 einen Sprung machte von dem Jahrhunderte lang gehaltenen Grad 197 auf 204 und sogar im November 2003 auf 207. Diese Zahlen gelten, obwohl 78% der Weltbevölkerung unter 200 kalibrieren, d.h. nicht integer sind, was nunmehr durch wenige, aber stärker wirkende Menschen höheren Grades ausgeglichen wird. Dies würde einerseits erklären, warum die durchschnittliche Negativität der Menschheit (also ohne Berücksichtigung der dahinterstehenden Kräfte) in den letzten zwei Jahrzehnten gleich geblieben (oder meines Erachtens sogar größer) geworden ist, und dennoch die gesamte Menschheit sich erstmalig auf einem positiven Ast befindet, weil es jetzt mehr Menschen gibt, die höher entwickelt sind als früher. Seit Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts ist ja auch festzustellen, dass die vormals vorherrschenden negativen Prophezeiungen positiven Durchsagen und Erwartungen Platz gemacht haben. Sein Wort in Gottes Ohr ...

Der zweite Punkt, warum die Skalenwerte wichtig sind, ist, dass auf diese bei den Muskeltestungen Bezug genommen wird. Im Anhang zu Band 2 (S. 449) heißt es für die Messung bestimmter Werte, dass folgende Anweisung verwenden soll: "Auf der Skala des menschlichen Bewusstseins von 1 bis 1000, auf der 200 die Ebene von Wahrheit und 500 die Ebene von Liebe darstellt, hat 'eine Aussage' einen Messwert über x." Hierbei wird explizit auf die Hawkins-Skala Bezug genommen und diese sogar noch spezifiziert. Das macht natürlich Sinn, denn die Hawkins-Skala ist keine durch physikalische Punkte bestimmte Skala wie etwa die Celsius-Temperaturskala. Aber wenn man das tut, ist es erst recht notwendig zu wissen, was denn die verschiedenen Punkte der 'Bewusstseinsskala' für einen Wert haben und wie sich diese Werte ins Verhältnis setzten. Eine korrekte Vorstellung davon dürfte den meisten Testpersonen abgehen. Wie könnte das Ergebnis dann aber immer noch akkurat sein? Das ist nur verständlich, wenn Hawkins als Spiritus Rector auftritt, und nur in diesem Bewusstseinsfeld die Ergebnisse möglich sind das wäre, wie oben beschrieben, in Übereinstimmung mit den auf Websites berichteten Schwierigkeiten, unabhängig von Hawkins auf seine Werte zu kommen.


Ist die Bewusstseinsskala zu eindimensional?

Wenn wir mal davon absehen, wie wir die Bewusstseinsskala wertmäßig einordnen müssen, dann sehe ich es als problematisch an, dass Hawkins alle menschlichen Tätigkeitsfelder über einen Kamm schert. Ist es nicht so, dass ein Mensch zugleich Partner oder Partnerin, Mutter oder Vater, Arbeitnehmer oder Unternehmerin, Vereinsmitglied im Fußballverein oder Seminarleiterin für Heilungsenergie sein kann, und sich auf diesen Feldern ganz unterschiedlich verhält? In der einen Beziehung mag er oder sie wohlwollend und liebevoll sein, in einer anderen Funktion hart und berechnend, auf einem dritten Gebiet vielleicht sogar damit begabt, weise Ratschläge erteilen zu können? Das soll heißen, dass wir nicht nur auf einer Bewusstseinsebene agieren, sondern auf vielen, und das oft in sehr stark wechselnder Weise.

Des weiteren ist mir eine Bewusstseinsskala zu eindimensional, es müsste ihr eine Emotionsskala beigestellt werden, auch eine Energieskala, eine Vernunftskala und eine Liebesskala. Natürlich wären diese in der Regel stark miteinander verzahnt. Aber das würde meines Erachtens eine Problematik lösen, die ich bei seinen eindimensionalen Zuordnungen sehe. Nehmen wir das Schnurren einer Katze oder das Schwanzwedeln eines Hundes als Beispiel. Hierin sieht Hawkins einen Ausdruck der reinen Liebe des Tieres zum Menschen und gibt dem eine Wertigkeit von 500. Der Bewusstseinsgrad 500 ist eine immense hochliegende Schwelle, bei der die Vernunft transzendiert wird in Richtung unbegrenzter Liebe. An dieser Schwelle, also bei 499, standen und stehen sehr viele wissenschaftliche Größen wie Descartes, Newton, Einstein und kamen nicht darüber hinweg. Will Hawkins nun wirklich sagen, dass eine schnurrende Katze (was auch sehr oft der Beschwichtigung dient Ebene ca. 90) die gleiche oder gar eine etwas höhere Bewusstseinsebene hat wie Einstein? Da werden doch Erdbeeren mit Kartoffeln verglichen. Die Diskrepanz würde sich auflösen, wenn wir Einstein eine höchstmögliche menschliche Vernunft zubilligen und einer wohlwollend schnurrenden Katze eine bedingungslose Liebesfähigkeit. Übrigens müsste ein Katzenschnurren fast eine Million negativer menschlicher Gedanken ausgleichen.

Also müsste bei weitergehender Forschung neben der zuerst beschriebenen Unsicherheit der Zahlenwerte auch die Frage geklärt werden, was die Hawkins-Skala genau misst. Sind es tatsächlich absolut verlässliche Wahrheiten? Oder wird hierbei auf die Meinung eines spirituell vorangeschrittenen Meisters in Arizona Bezug genommen? Gelten die Erkenntnisse zeitlich und räumlich begrenzt, d.h. nur für die anwesenden Menschen oder doch für die gesamte Menschheit? Geben die Messergebnisse das wieder, was als höchste Summe menschlicher Erkenntnis betrachtet werden kann aber eben nur zum aktuellern Zeitpunkt ? Eine ähnliche Problematik kennen wir von dem amerikanischen Heiler und Hellseher Edgar Cayce ("Der Schlafende Prophet"). Seine in Trance gewonnenen Aussagen sind sowohl persönlich in höchstem Maße treffend gewesen als auch spirituell inspirierend für Millionen von Menschen. Und dennoch war er kein Prophet, als der er auch heute noch meist verkannt wird, sondern ein Medium, welches das höchste, spirituelle Wissen seiner Zeit (auch unter Einbezug noch nicht veröffentlichter Erkenntnisse) gesehen und berichtet hat. Aber eben nicht darüber hinaus. Sind auch Hawkins Erkenntnisse nur die Summe dessen, was die Menschheit in ihrem bisherigen Erkenntnisprozess in den 'Kosmischen Wissensspeicher' eingelagert hat?


Hawkins als amerikanischer Patriot

Mit Hawkins' Zuordnungen für das aktuelle Zeitgeschehen habe ich auch so manche Schwierigkeit. Für mich wird in penetranter Weise sichtbar, dass Hawkins ein amerikanischer Patriot ist. Nicht nur die amerikanische Verfassung und Unabhängigkeitserklärung schwingen auf Grad 700 (extrem hoch), sondern auch der Amerikanische Patriotismus und die Flagge über 500, amerikanische Sportarten liegen im hohen Bereich der Vernunft (!), das amerikanische Präsidentenamt an sich natürlich auch, und man höre und staune und der gegenwärtige Präsident George W. Bush und somit sein zweiter Irakkrieg. Welch eine kühne Behauptung angesichts dessen, dass Bush's früherer Außenminister Powell in diesem Sommer erklärte, dass seine Behauptungen vor dem UN-Sicherheitsrat über die Massenvernichtungswaffen des Irak wissentliche Lügen darstellten, dass er sich dafür schämt und das als Schandfleck seiner politischen Karriere ansieht. Noch im ersten Buch erklärte Hawkins ausführlich, dass ein Zweck NIEMALS ein Mittel rechtfertigen könne und weiter (S. 251 oben, wörtliches Zitat, nur die Klammererklärungen erfolgten durch den Verfasser dieses Artikels): "Wenn es falsch ist, einen anderen Menschen umzubringen ('Kolalateralschäden' ?!?), darf es von diesem Prinzip keine Ausnahme geben, ganz gleich ... wie die Ausnahme gerechtfertigt wird. So wird in einer Gesellschaft, die die Todesstrafe zulässt, Mord immer ein Problem sein. (Bush ist vehementer Befürworter der Todesstrafe.) Töten bedeutet töten bedeutet töten (Wiederholung im Text von Hawkins) und von dieser Tatsache gibt es kein Entrinnen." Ganz im Gegensatz dazu stehen seine Ausführung zum zweiten Irakkrieg, den er als positiv und gerechtfertigt ansieht. Mir ist eine solche Haltung unverständlich. Spiegelt sich hier der Unterschied zwischen Theorie und Praxis? Oder gehört Hawkins ebenso zu den gefallenen Meistern? Er nennt eine ganze Reihe allgemein angesehener Weisheitslehrer, die er für gefallen hält: Osho, Sai Baba, Eckhart Tolle, Deepak Chopra, usw. Das möchte ich von ihm nicht annehmen, ebenso wenig wie ich es so pauschal von den oben genannten 'Gefallenen' behaupten möchte.

Es ist seltsam, dass man im Internet nur wenig Stellen findet, die sich kritisch mit Hawkins und seiner Bewusstseinsskala auseinandersetzen er hat eine starke Lobby, die vieles wegerklären kann. Obwohl die erste deutsche Auflage von Buch 1 schon seit etlichen Jahren erhältlich ist, scheint er hier nicht so sehr Fuß gefasst zu haben wie in seinem Heimatland. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Idee einer Bewusstseinsskala, welche wissenschaftlich verifizierbar scheint, für viele neu und wie eine Offenbarung ist, und auch, dass die daraus resultierenden spirituellen Schlussfolgerungen ein so großartiges Bild zeichnen, dass sie darüber vergessen, eine genaue Untersuchung dieses Phänomens anzustellen. Wir Menschen neigen im Allgemeinen dazu, in kräftigen Farben oder sogar in Schwarz-Weiß zu malen. Das mag einige der verbitterten Stellungsnahmen einerseits und seine vehemente Verteidigung andererseits erklären. Aus meiner persönlichen aktuellen Sicht halte ich es trotz der gemachten Einwände für richtig, eine positive Bewertung von Hawkins Person und Werk abzugeben, auch wenn ich nicht vermag, ihn im höchsten Olymp der erleuchteten Götter zu sehen. Seine Erfolge als Psychiater, seine Biographie, seine Erfahrungen höherer Bewusstseinszustände, seine innovativen Ideen, Bewusstseinsphänomene einzuordnen und nicht zuletzt die positive Wirkung seiner Bücher auf viele Menschen, zeigen mir, dass hier jemand wirkt, der auf dem richtigen Weg ist und somit deutlich auf der Seite der positiv wirkenden Geister steht. Das sollte nicht wegnehmen, dass ich vor dem, was ich als Fehler in seinem Werk sehe, die Augen verschließe. Sollte er tatsächlich so hoch stehen wie in seinem Umkreis angedeutet wird, wird er mir meine uneinsichtige Bewertung gewiss verzeihen.

Zusammenfassend kann ich die Buchreihe von Hawkins für das Studium des menschlichen Bewusstseinsfeldes sehr empfehlen. Vielleicht sollte man parallel dazu auch das Buch von dem geschmähten Osho, "Bewusstsein", lesen. Es bietet Einsichten aus anderem Blickwinkel, die ebenso zu würdigen sind. Außerdem würde ich mir wünschen, wenn sich hier in Deutschland auch ein oder mehrere Arbeitsgruppen bilden würden, die sich mit diesem Thema befassen und ggf. untereinander ihre Informationen und Erkenntnisse austauschen. Das Potential, das ich hier sehe, könnte gewaltig sein, und ein solche Chance sollte man ergreifen.




Hier rezensierte ins Deutsche übersetzte Bücher:
Hawkins, David R.: 'Die Ebenen des Bewusstseins', 333 S., VAK Verlag, Freiburg, 2. Auflage 2002, 22 €
und 'Das All-sehende Auge', 473 S., Sheema-Medien Verlag, Wasserburg, 1. Auflage 2005, 23 €.




Stand: 1. Okt. 2005
Bitte nehmen Sie bei Interesse an den vorgestellten Themen Kontakt mit dem Verfasser dieser Zeilen auf.
Bodo Zinser, Tel.: 0821 / 543 943 74, Email: BodoZinser (at) Bewusstseinsebenen.de




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