David Rotter / Sein-Online

Was ist Erleuchtung?
 

 
Warum es Sinn macht, Wörter zu definieren
 

Wenn man so hineinlauscht in die Gespräche zwischen Suchenden, fällt auf, wie munter dort mit Begriffen um sich geworfen wird, die zwar ganz ehrfurchtgebietend tönen, aber nicht selten auf dünnem Eis stehen. Erleuchtung, Karma, Gott, Energien,... eine ganz eigene Sprachwelt tut sich auf. Aber mit der Sprache ist es so eine Sache. Wissen wir eigentlich, wovon wir da reden?

In vielen Fällen offenbar nicht, denn wenn man den Wörtern mal nachfragt, geht nicht selten das große Gestotter los. Die 1-Million-Euro Frage: Was ist überhaupt Erleuchtung? Wie kann es eigentlich sein, dass seit Jahrhunderten mit einem Begriff hantiert wird, von dem keiner zu wissen scheint, was er eigentlich bedeutet? Mittlerweile scheint jetzt jeder darunter zu verstehen, was er eben gerade will - und das ist ja auch jedermanns gutes Recht, nur kann man sich dann eben nicht mehr unterhalten.

Sprache funktioniert nämlich nur, wenn beide Gesprächspartner unter den Wörtern auch das gleiche verstehen. Sonst kommt es zwangsläufig zu Verwirrungen - und genau das ist derzeit unübersehbar der Fall. Alle benutzen zwar dieselben Wörter, verstehen aber zum Teil etwas komplett anderes darunter, so dass Missverständnisse vorprogrammiert sind und das Sprechen über Spiritualität mittlerweile extrem schwierig geworden ist - auch wenn es vielen scheinbar gar nicht auffällt. Man kann in der Spiritualität aber auch kaum ein Wort definieren, ohne dabei zehn weitere zu verwenden, die man dann ebenfalls erst definieren müsste - aber die Bedeutung der meisten erschließt sich ohnehin erst durch die direkte Erfahrung dessen, auf was sie versuchen hinzudeuten. Erleuchtung ist eines davon.

Ohne hier also den hoffnungslosen Versuch unternehmen zu wollen, "Erleuchtung" zu definieren (dazu fühle ich mich auch weder berufen noch befähigt), möchte ich doch mal meine persönliche Meinung, meine Konzepte (etwas anderes können Wörter nie sein) über ein paar Dinge teilen, die ich für recht einfach aufzulösende Missverständnisse halte. Dinge, die in den letzten Jahren für erhebliche Verwirrung gesorgt haben und meiner Ansicht nach vor allem auf fehlende Erfahrung und sprachliche Ungenauigkeit zurückzuführen sind. Dies ist nicht der Versuch, eine absolute Wahrheit zu formulieren, sondern mein persönlicher "aktueller Stand des Irrtums", der auf 10 Jahren eigener, innerer Erfahrung beruht.


Erleuchtung vs. Erwachen

 

Ist es nicht sonderbar? Für den einen ist Erleuchtung eine ganz simple Angelegenheit, nur eine kleine Verschiebung im Bewusstsein, ein Wechsel der Perspektive - das war's! Für andere ist es die grundlegendste und tiefgreifendste Transformation, die einem Lebewesen überhaupt widerfahren kann, eine radikale Umgestaltung des Körpers, der Psyche und des Energiesystems, die viele Jahre Vorbereitung und eine intensive Auseinandersetzung mit Traumen und Schatten erfordert. Was ist denn da los? Reden die eigentlich von derselben Sache? Das tun sie ganz offensichtlich nicht.

Oft werden die Worte Erwachen und Erleuchtung heute als gleichbedeutend verwendet - dabei bezeichnen sie meiner Ansicht nach zwei grundlegend verschiedene Vorgänge. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Natürlich kann jede/r alles nennen, wie er oder sie will. Wenn man unbedingt möchte, kann man statt Erleuchtung auch "Dingenskirchen" sagen - sollte aber nicht enttäuscht sein, wenn der andere dann glaubt, das wäre etwas zu essen. Soll heißen: Niemand kann irgendwem verbieten, zum Erwachen Erleuchtung zu sagen (oder andersherum) - nur kommt es dann zu Verwechslungen und Verwirrung.

Als "Erwachen" wird ursprünglich das Erkennen von dem bezeichnet, was je nach Lehrer wiederum als "Gewahrsein", "I -Am-Ness", "Selbst", "reines Bewusstsein", "Space", "Seele" oder ähnlich bezeichnet wird. Und Erwachen ist tatsächlich der Vorgang, durch den sich alle diese Wörter überhaupt erstmals mit Bedeutung füllen können. Der Kontakt mit diesem jenseits des Mind (dem denkenden "Ich") liegenden Gewahrseins ist oftmals eine sehr tiefe Erfahrung, kann mit einer langen Phase von ekstatischen Glückszuständen einhergehen und verändert das Leben nicht selten radikal und tiefgreifend. Alles hat plötzlich einen anderen Kontext, man erkennt mit dem ganzen Wesen (nicht bloß intellektuell), dass man mehr ist, als das Geplapper im Oberstübchen, als das Konstrukt des "Ich". Nicht umsonst heißt es "Erwachen" - tatsächlich erwacht hier das Selbst, sozusagen nach jahrelangem Schlaf, erstmals zu sich selbst. Eine tiefe Klarheit, Weichheit und Einheit wird erfahren.

Und es ist wahr: Erwachen ist letztlich nicht mehr als eine kleine Verschiebung im Bewusstsein, die fast jedem Menschen zugänglich ist. Und es ist sogar wahr: Diese Erfahrung kann einem reifen Sucher in einem Satsang, Retreat oder gar "7-Tage-Kurs" vermittelt werden. Aber für die meisten Menschen ist Erwachen kein dauerhafter Wandel, sondern wiederholt sich viele Male (sogenannte Satoris), bis sich ein radikaler, permanenter Wandel einstellt. Aber auch der ist nicht das Ende, sondern wirklich erst der Anfang der eigentlichen spirituellen Reise und des inneren Wachstums.

Tatsächlich ist vor dem Erwachen überhaupt nichts vorhanden, was wirklich hätte in Bewusstheit wachsen können - es ist "niemand da" egal, zu wie viel Meditation und Therapie sich der Mind überredet haben mag. Es ist gerade dieses Verweilen in Gewahrsein, die Hingabe an es, durch das so etwas wie Wachstum überhaupt möglich wird und wodurch vielleicht irgendwann das geschieht, was als "Erleuchtung" bezeichnet wird.

Manche Lehrer berichten, dass Erwachen derzeit vielen Menschen zugänglich zu sein scheint, was darauf hindeuten könnte, dass die kollektive Reise der Menschheit zu höherem Bewusstsein in eine neue Phase eintritt. Es besteht jedoch die Gefahr, das Erwachen für das Ende der Reise zu halten, was meiner Erfahrung nach und der Erfahrung von vielen anderen Menschen zwangsläufig zu einer herben Ernüchterung führen wird. Erwachen und Erleuchtung sind zwei völlig unterschiedliche Punkte auf der inneren Reise - Erwachen ist der Anfang (so transformierend es auch sein mag), Erleuchtung der sich ständig weiter entfaltende Höhepunkt.

"Es gibt nur zwei Fehler die man auf seinem Weg zur Wahrheit machen kann: Nicht den ganzen Weg gehen, und nicht beginnen." (Buddha)


Du bist schon erleuchtet, Du musst es nur noch bemerken!

 

Was zunächst ganz schmeichelhaft klingt, ist bei näherem Hinsehen eigentlich der größtmögliche Unsinn. Der Satz ist tatsächlich ein gutes Beispiel für völlig sinnfreies Geschwurbel, denn es ist doch gerade dieses "bemerken", was das Wort Erleuchtung aussagt. Der Satz ergibt ganz offensichtlich überhaupt keinen Sinn, denn was er ja eigentlich aussagt, ist: "Du bist schon erleuchtet, Du musst nur noch erleuchtet werden."

Und selbst wenn wir den zweiten Teil weglassen: Sinn macht's immer noch nicht. Denn wenn alle Menschen tatsächlich bereits erleuchtet wären (und es somit zwischen erleuchtet und nicht-erleuchtet keinen Unterschied gäbe), dann hätte das Wort auch gar keinen Sinn. Es gäbe dann nämlich überhaupt nichts, was das Wort "Erleuchtung" überhaupt beschreiben würde. Richtiger wäre dann zu sagen: Erleuchtung gibt es nicht. Jahrtausende von Weisheitstraditionen, tausende Buddhisten, Yogis, Sufis und christliche Mystiker und neuerdings auch Neurobiologen haben sich ganz fürchterlich geirrt. Erleuchtung gibt's gar nicht. Und das darf man dann auch so stehenlassen - denn beweisbar ist Erleuchtung nur in der eigenen Erfahrung und niemand ist gezwungen, daran zu glauben...


Innerhalb und außerhalb der Geschichte

 

Womit wir es im Falle der obigen Aussage zu tun haben, ist eine sprachliche Verwirrung und mal wieder die gute alte Verwechslung von innerhalb und außerhalb der Geschichte. Wovon der Satz eigentlich handelt, ist das Selbst. Es ist wahr: Jeder Mensch ist in seiner Essenz das Selbst (Gewahrsein an sich, der absolute Urgrund, Gott, nennt es wie ihr wollt). Ob sich das innerhalb dieses Gewahrseins auftauchende persönliche Bewusstsein jedoch auch bewusst als diese Essenz entfaltet, ist eine völlig andere Frage. Ganz offensichtlich ist es doch gerade das bewusste Erkennen des Selbst und das Auflösen darin, was mit dem Wort "Erleuchtung" beschrieben wird. Also ja: Jeder Mensch ist immer schon das Selbst und ein Erleuchteter ist nicht mehr das Selbst als irgendjemand sonst. Erleuchtung fügt dem Selbst auch absolut nichts hinzu und man ist immer schon gewesen, was man gesucht hat.

Zum Selbst gesprochen ist "Du bist bereits erleuchtet" also auf den ersten Blick korrekt. Für 99,9 % der Menschen ist es jedoch eine Aussage, die falscher kaum sein könnte. Bei näherem Hinsehen ist sie aber auch zum Selbst gesprochen falsch, denn für das absolute Selbst hat das Wort "Erleuchtung" tatsächlich keine Bedeutung. Erleuchtung ist ja gerade und ausschließlich ein Phänomen in der relativen Ebene von Trennung, also innerhalb der Geschichte. Gott, das wahre Selbst oder wie auch immer wird nicht erleuchtet. Was erleuchtet wird, ist das innerhalb von Gott auftauchende Bewusstsein, das zurück auf seine Quelle schaut. Diese beiden Ebenen sollte man nicht durcheinander würfeln und sich stets bewusst sein, von welcher Ebene und über welche man spricht.

Oft wird diesem Konzept (und das ist es natürlich auch) vorgeworfen, es würde hier eine Trennung erzeugt, die real nicht existiert. Das ist aber nur scheinbar der Fall: Natürlich ist auch der Mind, das kleine Selbst (oder wie auch immer) eigentlich ein Aspekt des einen Bewusstseins, so dass es keine fundamentale Trennung gibt. Im Erleben gibt es sie aber sehr wohl, und wenn wir uns sprachlich darauf beziehen wollen, müssen wir eben verschiedene Wörter dafür finden. Oder wir lassen es mit dem Reden halt gleich ganz sein.


Prozess oder kein Prozess? Was ist Meditation?

 

Eine weitere Streitfrage, die sich seit ewigen Zeiten hält, ist die Frage, ob der Erleuchtung nun ein Prozess vorausgeht oder ob sie ein zusammenhangloses, plötzlich auftretendes Ereignis ist.

Für viele Yoga-Adepten muss es ein Schock gewesen sein: Plötzlich tauchten an allen Ecken und Enden Satsang-Lehrer auf, die Meditation und jedes "arbeiten" für Erleuchtung nicht nur für völlig sinnlos erklärten, sondern es zum Teil sogar als absolut kontraproduktiv bewerteten. Jahrelang hatte man nun Stunden meditiert - alles für die Katz? "Hör auf zu suchen!", "Erwache jetzt!" oder ähnlich lautete plötzlich die Anweisung.

Das Missverständnis ist meiner Ansicht nach ein sehr subtiles. Was eigentlich kritisiert wird, ist die Dynamik des Suchens, die entsteht, wenn man das Wesen der Meditation gründlich missversteht. Und da haben wir es wieder: Was ist eigentlich Meditation? Von Atemtechniken, Energiearbeit, wilden Visualisierungsübungen oder per Hörbuch angeleiteten Bewusstseinsreisen bis hin zum einfachen stillen Sitzen wird mittlerweile alles Mögliche darunter verstanden.

Meditation, so wie ich sie verstehe, ist in ihrem Kern die Ausrichtung des Bewusstseins auf das Jetzt, das Selbst und auf Gewahrsein an sich. Hierzu wird sich oftmals verschiedener Techniken bedient, welche die Gewohnheiten des Mind aushebeln sollen. Geht man auf der Ebene dieser Techniken verloren, wird Meditation zu eine Art Vorbereitung auf ein in der Zukunft zu erwartendes Ereignis fehlinterpretiert. Ein "Ziel" der Meditation wird hierdurch in die Zukunft projiziert und ist damit für alle Zeiten unerreichbar - denn Meditation liegt ihrem Wesen nach im Jetzt. Der vermeintlich "Meditierende" ist zu einem ewig Suchenden geworden und glaubt stets noch "mehr tun zu müssen", um irgendein "Erleuchtung" genanntes Fantasiegebilde in der fernen Zukunft erreichen zu können. Innerhalb dieser Dynamik ist ein Erwachen nicht möglich (von Erleuchtung mal ganz zu schweigen).

Warum manche Lehrer also zum Teil derart vehement gegen "Meditation" vorgehen, ist dieser weit verbreiteten spirituellen "Erkrankung" und einem unzutreffenden Verständnis von Meditation geschuldet. Wenn Lehrer ihren Schülern den Prozess ausreden wollen, dann ist das eine Technik zu unterrichten und keine Beschreibung der Wirklichkeit. "Du bist bereits erleuchtet" ist im übrigen, eine Meditationsanweisung! Es ist keine philosophische Aussage, die irgendeinen Sinn ergeben würde.

Dieser Umstand wird häufig übersehen, seltsamerweise auch von einigen Lehrern. Daher nochmal:"Hör auf zu meditieren. Erwache jetzt!" ist nichts weiter als eine Meditationstechnik! Ihr Effekt ist eine radikale Ausrichtung auf das Jetzt - das IST Meditation. Dasselbe gilt für Selbstergründung, also der Arbeit mit Fragen wie: "Wer bin ich", "Was ist Gewahrsein" oder "Wer denkt?": Dies sind Meditationstechniken und sehr alte noch dazu. Es handelt sich hierbei nicht um intellektuelle Fragen, auf die eine mentale Antwort erwartet wird. Die Antwort offenbart sich vielmehr direkt als das Sein selbst. Was diese Fragen bewirken, ist eine Ausrichtung des Bewusstseins auf sich selbst. Die Bewegung in ein vorgestelltes Außen wird gestoppt und die Richtung der Aufmerksamkeit wird umgekehrt. In diesem Prozess kann es zu einer Art "Rückkopplung" kommen: Das Gewahrsein wird sich seiner selbst gewahr. Erwachen geschieht.

Wenn man denn unbedingt will, darf man Atma Vichara (Selbstergründung) durchaus als den Königsweg der Meditation betrachten, denn es scheint die denkbar direkteste Methode zu sein. Ich denke aber nicht, dass sie deshalb auch automatisch die geeignetste für jeden ist. Es ist auch durchaus nicht so, dass die Frage "Wer bin Ich?" bei jedem sofort zum Erwachen führt. In traditionellen Schulen war es auch eine der letzten Techniken, die ein Schüler von seinem Lehrer bekam, da gerade hier die Gefahr groß ist, auf einer mentalen Ebene steckenzubleiben.

Erleuchtung wird von allen, die darüber berichten als "Durchbruch" und als ein plötzliches Ereignis beschrieben - aber immer als Folge eines vorangehenden Prozesses, mit vielen Zwischenstufen von "schlafend" über "erwacht" zu "erleuchtet". Erwachen hingegen kann durchaus spontan und scheinbar unzusammenhängend geschehen - zum Beispiel durch Nahtoderlebnisse, Lebenskrisen oder Ähnliches. Für Erleuchtung halten traditionelle Lehrer dies für unmöglich:

"Wir müssen verstehen, dass Erleuchtung nicht nur eine Verschiebung in Wahrnehmung und Bewusstsein ist. Es ist eine existenzielle Metamorphose auf allen Ebenen, die auf radikale Weise die Schwingung unseres Energiesystems und das empfindliche Gleichgewicht verschiedener Elemente in unserem Hirn und den feinstofflichen Körpern transformiert. Eine plötzliche und vollständige Erleuchtung, die alle Zwischenschritte überspringt, würde ohne Frage zu einem mentalen und emotionalen Zusammenbruch führen, wenn nicht zum physischen Tod. Eine so radikale Umgestaltung wie Erleuchtung erfordert eine angemessene Zeit für Körper und Geist, um sich an den dramatischen Wandel der Energie und Identität anzupassen." (Anadi)


Nur ein Konzept

 

Um entsprechenden Kritiken vorzubeugen: Ein Artikel wie dieser wird nicht nur wohlwollend aufgenommen werden. Wie kann ich mich denn überhaupt hinstellen und so einen Text schreiben? Ist das nicht alles nur ein weiteres Konzept? Doch! Ist es. Überhaupt alles, was gesagt werden kann, ist nur ein Konzept und niemals die Wahrheit selbst. Letztere liegt jenseits von Konzepten, Traditionen und Lehren. Und doch gibt es zutreffendere Konzepte und weniger zutreffende.

Man kommt ganz sicher auch dann irgendwie durchs Leben, wenn man glaubt, dass es Zeus persönlich ist, der in seinen schlechteren Momenten die Erde mit Blitz und Donner heimsucht. Unter Umständen aber lebt man dann auch in der ständigen und unbegründeten Furcht, den guten Mann durch irgendeine unbedachte Tat maßlos zu verärgern und auf dem nächsten Spaziergang von einer Lichtentladung niedergestreckt zu werden. Das kann dann auf Dauer eher ungemütlich sein. Da lebt es sich mit dem Konzept, dass ein Blitz irgendwie was mit elektrostatischen Aufladungen der wolkenbildenden Wassertröpfchen zu tun hat, doch wesentlich gemütlicher.

Und für mich ist es nicht bloß Gedankenakrobatik. Ich kenne den subtilen Hochmut nach dem "Erwachen". Man redet sich ein, dass alles ganz einfach ist, dass man es erreicht hat, für immer. Und tatsächlich war es für mich alles ganz einfach. Über Monate war ich ein einem Zustand von Stille und Glückseligkeit, ich bin damit morgens aufgewacht und abends ins Bett gegangen. Ich konnte mit anderen in reines Gewahrsein eintauchen, Antworten auf Fragen kamen ohne mein Zutun, die Versuchung Lehrer zu spielen war groß. Ich bin sehr glücklich, selbst Lehrer gehabt zu haben, die mir immer wieder geraten haben, nach jedem "Durchbruch" mindestens zwei Jahre zu warten, um den Zustand zu verifizieren, und, egal wie vollständig er sich anfühlen mag, in Hingabe daran zu verweilen. Und es kamen tatsächlich umfassendere, tiefere Ebenen und Prozesse, Erkenntnisse und Zustände, viel Schmerz und unerlöste Seelenanteile. Erfahrungen, die ich vielleicht nicht zugelassen hätte, um meine Illusion aufrecht zu erhalten, ich wäre bereits erleuchtet. Hätte ich das getan, würde ich jetzt womöglich mit hoffnungslos aufgeblasenem spirituellem Ego irgendwo Satsang geben. Ich wäre nicht der Erste.

Deshalb glaube ich, dass ein korrektes Verständnis des inneren Weges hilfreich ist. Deshalb glaube ich, dass wir uns in Zukunft bemühen sollten, sorgfältig zu sein mit unseren Konzepten, hinter die Worte zu schauen, uns unserer eigenen Wahrheit sprachlich so gut zu nähern, wie es eben geht.





Quellenhinweis:

 

Mit freundlicher Genehmigung übernommen von Sein-Online, Redakteur David Rotter


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Stand: 1. 5. 2012
Diesem Artikel stimme ich (Bodo Zinser) voll und ganz zu. Zu meinen eigenen Erfahrungen mit dem Erwachen siehe hier.
Bitte nehmen Sie bei Interesse an den vorgestellten Themen Kontakt mit mir auf.
Bodo Zinser, Tel.: 0821 / 543 943 74, Email: BodoZinser (at) Selbstgewahrsein.de




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