Barbara W. Pinheiro
What the bleep do we (k)now ?
 

Gott und die Welt in anderthalb Stunden.
Der spirituelle Film-Hype von William Arntz
 

 

Kann man Philosophie und Quantenphysik verfilmen? Es gibt Amerikaner, die trauen sich das (William Arntz et al.). Sie stellen die uralten, großen Fragen in den Raum: Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Wozu sind wir da? Was können wir erkennen? Was ist Bewusstsein? Gibt es Gott?

Diese und ein paar weitere Fragen werden hier in eineinhalb Stunden beantwortet. Und das geht so: Kapazitäten aus den Bereichen Physik, Theologie, Medizin, Molekularbiologie, Anästhesie, Genetik (das ist eine unvollständige Auswahl), geben abwechselnd kurze Statements ab, die einen gemischten Erkenntnis-Salat bilden. Alle Äußerungen sind ernsthaft und wahr, aber kein unbefangener Zuschauer (behaupte ich), kann sie in der gegebenen Zeit verarbeiten, zumal in diesem ersten Teil des Filmes die gewohnten Paradigmen kräftig aufgemischt und durch kühne Thesen herausgefordert werden. Unterscheidet sich die Zukunft überhaupt grundsätzlich von der Vergangenheit? Gibt es parallele Realitäten? Kann ich mich aus der Sicht eines »absoluten Beobachters« betrachten? Darüber möchte man doch eine Weile nachdenken oder diskutieren dürfen. Aber schon geht es weiter in den mittleren Teil des Films, in dem eine Protagonistin, Amanda (Marlee Matlin), als Versuchskaninchen ins Labor beinahe echter Situationen geschickt wird. Ein afroamerikanischer Junge belehrt sie mittels eines Basketballs, dass dieser keinesfalls real sein muss. Sie sieht eine Foto-Ausstellung, die belegen soll, dass Wasser auf Gefühle reagiert, die auf Zettel geschrieben wurden. Mich hat es gewundert, dass das Wasser ausgerechnet Japanisch versteht. Amanda ist selbst Fotografin und geht in Ausübung ihres Berufes zu einer Hochzeit. Das gibt Gelegenheit, die Natur von Gefühlen zu erörtern. In diesem Zusammenhang ist viel von biochemischen Vorgängen im Gehirn, von Drüsen und Zellen die Rede. Um das anschaulich zu gestalten, wird zu modernen Trick- und Animationstechniken gegriffen. Die zahlreich umherwabernden Zellen, die natürlich sprechen und auch Musik machen können, sehen aus wie mit Gelee gefüllte Kondome. Naja, wie sollte man sie auch sonst darstellen?

Im dritten und letzten Teil kommt wieder die bunte Truppe der Wissenschaftler zu Wort, die nun Schlussfolgerungen anbieten. So erfahren wir u.a., dass Sucht etwas ist, womit man nicht aufhören kann. Wir haben aber immer die Wahl und sollen nicht in den religiösen Kategorien von Gut und Böse gefangen bleiben. Wir sind verantwortlich für unser Handeln. Erleuchtung hat mit Selbstvergessenheit zu tun. Alles ist mit Allem vernetzt. Wer hätte das gedacht? Nützlich ist es, wenn man Lewis Carrolls »Alice im Wunderland« kennt, dann versteht man die Anspielung mit dem Kaninchenloch: Es ist der Eintritt in eine Welt, in der andere Gesetze der Logik gelten, wo die Sprache spielerisch verrätselt ist und wunderliche Wesen etablierte Denkgewohnheiten ignorieren.

Ich denke, wer sich ernsthaft mit den eingangs gestellten Fragen auseinandersetzen will, kommt nicht an der Lektüre von Büchern vorbei. Das wird allerdings etwas länger dauern.




Stand: 31.12. 2005
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